J and I and Me
2007-08-21
  AJAX, Architektur und Spring?
Auf den ersten Blick scheint AJAX "nur" ein neues GUI-Paradigma zu sein. Das ist sicher auch richtig, allerdings sind z.B. Rich Clients auch "nur" ein neues Paradigma, haben aber deutliche Auswirkungen auf die Architektur einer Anwendung. AJAX ist ähnlich. Ich glaube nicht, dass es damit getan ist, dass man einfach eine geeignete Web-Widget-Bibliothek verwendet. Eigentlich geht es um das Aufrufen eines Servers und das anschließende Manipulieren einer Web-Seite durch Änderungen am DOM-Tree des HTML-Codes. Das kann zumindest im der vollen Flexibilität nicht von einer GUI-Widget-Library abgedeckt werden, die nur passende Buttons etc. anbietet. Dieser Umstand ist eine schlechte Nachricht für alle, die JavaScript ablehnen - man wird sich wohl für ernsthafte AJAX-Anwendungen mit JavaScript beschäftigen müssen. Übrigens hat JavaScript einige interessante Features wie der Prototyp-Objekt-Ansatz und es bietet Funktionen höherer Ordnung, also beispielsweise Funktionen, denen man Funktionen übergeben kann. Bei AJAX ist das ein wichtiges Feature: Man kann so eine Methode auf dem Server aufrufen und eine JavaScript-Funktion übergeben, die mit dem Ergebnis aufgerufen wird. Kein Vergleich mit dem Umgang mit einem Java-Swing-ActionListener, der wesentlich mehr Code erfordert, der auch schwerer zu verstehen ist.

Was bedeutet das für die Architektur? Meiner Meinung nach sollte man sich an den Gedanken gewöhnen, JavaScript für AJAX selber zu schreiben. Das zweite Resultat ist, dass man AJAX-Cients ähnlich wie Rich Clients als einen zusätzlichen Aufrufer der Service-Schicht sehen sollte. Im Prinzip rufen AJAX-Anwendungen mit JavaScript Logik auf dem Server auf, wie man das früher mit RMI, CORBA usw. gemacht hat - nur das die Clients in JavaScript geschrieben sind und das Protokoll XML mit HTTP ist. Das ist eine Abkehr von dem Verschicken von Seiten und Formularen - ähnlich der Transition von Terminals hin zu GUIs.

Ich denke, dass in einer Spring-Architektur nur zusätzliche Exporter für die Service notwendig sind, um sie mit JavaScript ansprechbar zu machen. So etwas setzt zum Beispiel DWR um, das den Aufruf von Spring-Beans von JavaScript aus nahezu trivial macht. Dabei kann man die Java-Objekte auch übertragen und auf dem JavaScript-Client als JavaScript-Objekte auspacken - was das Leben erheblich vereinfacht.

Eine Vereinfachung, die hinter eigenen Widgets AJAX versteckt, sehe ich zumindest kritisch - solche Abstraktionen führen leicht dazu, dass man weniger Mächtigkeit mit seinen Werkzeugen hat, als wenn man direkt mit JavaScript und dem HTML-DOM-Baum arbeitet. Und eine Lehre aus Spring ist, dass eine Abstraktion nur wirklich gut ist, wenn man sie im Notfall durchbrechen kann.

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Comments:
Hallo Eberhard,

dieser Blog Eintrag spiegelt exakt die Erfahrungen wieder die wir bei DaimlerChrysler mit der Konvertierung einer Rich-Client Swing Data-Minig Anwendung in eine Spring basierte Ajax-Webanwendung gemacht haben.

Meine Aufgabe war die Realisierung des Frontends und der serverseitigen Präsentationsschicht. Das Ergebnis ist ein Präsentationsframework basierend auf dem Model-View-Presenter Ansatz welches für die Remote-Calls DWR verwendet und clientseitig lediglich Javascript zur vollständigen Generierung der Oberfläche einsetzt. Zielsetzung dabei war aber, dass die Clientseite wegen der schlechten Testbarkeit von Weboberflächen und Javascript eine möglichst simple Struktur hat.

Unsere ersten Tests hatten gezeigt, dass die Abkehr von einem seitenbasierten Ansatz wie er herkömmlichen Webanwendungen zugrundeliegt eine vollkommen andere Architektur der Präsentationsschicht verlangt. Darüber hinaus hängen viel zu viele der verfügbaren Ajax Frameworks, JS-Bibliotheken, wie immer man das nennen möchte, entweder viel zu sehr am seitenbasierten Ansatz oder liesen sich nur sehr schwer an unsere Bedürfnisse anpassen. Die Natur der Anwendung erforderte aber die Erstellung eigener Javascript Elemente wie beispielsweise eine Komponente/Widget für interaktive Entscheidungsbäume.

Mein Fazit - bei der Umsetzung von Ajax Anwendungen wird leider viel zu oft der Webfaktor vergessen. Bei der Umsetzung/Konvertierung einer Rich-Client Anwendung als Ajax Anwendung mit einer Webseite oder besser gesagt einem Browser als "Laufzeitumgebung" reichen in meinen Augen weder die Mittel traditioneller Webentwicklung noch Swing/SWT Techniken mit einigen Webwidgets aus. Ein Browser ist kein Betriebssystem/VM man muss sich mit den verfügbaren Techniken und bei Ajax ist das nunmal Javascript auseinander setzen. Leider scheint das beim ganzen Hype oft in Vergessenheit zu geraten ...

Viele Grüße
Steffen
 
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